Studies in the Arts (SINTA)

Portraits der Doktorierenden

Mira Kandathil

Mira Kandathil lebt in Bern und ist Theaterschaffende. Sie studierte im BA und MA Theater an der Hochschule der Künste Bern. Ihr erstes eigenes öffentliches Projekt «Mira Bhai – A South Indian classical Danceperformance» führte sie im Jahre 2010 an freien Theatern in Köln auf. Sie kündigte einen Tanz an und brach die Erwartungshaltung mit einem neunzig minütigen, surrealistischen Monolog. Bereits in ihrem ersten Projekt fokussierte sie sich auf die Arbeit gegen Konventionen und spielte mit Erwartungen der Zuschauer*innen und mit dem extremen Verschwimmen von Realitäts- und Fiktionsebenen. 2012 arbeitete sie als Gast im Ensemble des Stadttheater Basel und spielte verschiedene Hauptrollen in der Inszenierung „Der große Marsch“, welche auch zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen wurde. Ihr Debüt als Schauspielerin im deutschsprachigen Kinofilm „Marry Me!“ (Koproduktion mit ZDF Das kleine Fernsehspiel (in Zusammenarbeit mit ARTE) war im Juli 2015 auf der Leinwand zu sehen.

2014 gewann sie gemeinsam mit Annina Machaz den ersten Preis im Schweizer Nachwuchswettbewerb „Premio“. Mit ihrem gemeinsamen Bühnenprojekt „Follow Us“, das sich thematisch u.a. mit der Verkörperung zweier Kunstfiguren, die an Marilyn Monroe und Amy Winehouse angelehnt sind, beschäftigt, tourten sie erfolgreich durch die Schweiz, z. B. am Les Urbaines Festival Lausannne, an der Gessnerallee Zürich, Schlachthaustheater Bern, Theaterspektakel Zürich, DC5 Festival am Theatre Du Loup in Genf u.w. Ihr nächstes gemeinsames Theaterprojekt wird im Frühjahr 2018 an der Gessnerallee Zürich uraufgeführt. Das Duo Kandathil/Machaz wurde neben sechs weiteren Künstler*innen-Teams für den Schweizer Performancepreis nominiert, welcher im Oktober 2017 stattfinden wird. Auch arbeitet Mira Kandathil als Dramaturgin/ Character development Coach für Theaterproduktionen.

Von September 2016 bis Juli 2017 absolvierte sie an der Universität Bern den Master in Research on the Arts im Fachbereich Sozialanthropologie. In ihrer Masterarbeit im MRA der Uni Bern fokussierte sie sich auf die Kunstfigur als Forschungsinstrument. Mit ihrer ersten Masterthesis an der HKB (Mentor: Johannes Kram) „Die Kunstfigur als performativ ästhetisches Gesamtkunstwerk und was mich mit Harald Glööckler verbindet“, wurde sie an das Campusfestival der Schweizer Theaterhochschulen eingeladen. Mit der von ihr entwickelten und verkörperten Kunstfigur Maria Marshal arbeitet sie als Expertin für Kunstfiguren. Ergebnisse ihrer künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung publiziert sie in Form von Lecture Performances durch ihre Kunstfigur Maria Marshal auf wissenschaftlichen und künstlerischen Plattformen (z.B. AUA Wirleben Theaterfestival 2017, Volkshochschule Zürich, Gessnerallee). Maria Marshal war das erste Gesicht des Internationalen ‚Keine Disziplin Festivals’ (2017) der Gessnerallee in Zürich. Gemeinsam mit Priska Gisler hielt sie im September 2016 an der internationalen
Tagung „Wissenskulturen im Dialog – Interferenzen“ am IKM Wien den Vortrag „Die Kunstfigur als interferierendes Identitätskonstrukt zwischen Kunst und Wissenschaft (mit Dialog, ohne Schnittstelle)“. Für den auf die Veranstaltung bezogenen Band "Wissenskulturen im Dialog“, welcher im Transcript Verlag erscheinen wird, verfasste sie gemeinsam mit Priska Gisler einen wissenschaftlichen Artikel. Mira Kandathil arbeitete bis September 2017 im Forschungsschwerpunkt Intermedialität an der HKB künstlerisch und wissenschaftlich an einem Forschungsprojekt über Kunstfiguren mit.

Betreuungspersonen

Prof. Dr. Michaela Schäuble, Universität Bern, Institut für Sozialanthropologie, Schwerpunkt Medienanthropologie
Dr. Fabiana Senkpiel, Hochschule der Künste Bern HKB, Forschungsschwerpunkt Intermedialität

Titel des Promotionsvorhabens

Die Darstellende Beobachtung durch Kunstfiguren (Arbeitstitel) 

Ziel des Dissertationsvorhabens ist eine erstmalige umfassende Untersuchung des Phänomens der Kunstfigur im Hinblick auf seine Simultanität als Forschungsinstrument und als autonomes künstlerisches Ausdrucksmittel. Das Potenzial von Kunstfiguren gesellschaftsrelevante Inhalte zu erforschen, zu verkörpern und zu präsentieren, soll analysiert werden. Anlehnend an die ethnografische Methode der «Teilnehmenden Beobachtung“, die Methode des „Wallraffing“ und auf Basis von Kunstfiguren, soll die performativ-ethnografische Methodik der Darstellenden Beobachtung entwickelt werden. Zur Realisation des Vorhabens werden qualitative Interviews mit Künstler_innen geführt, welche selbst mit Kunstfiguren praktizieren. Durch die vergleichende Analyse der Interviews werden künstlerische Mechanismen ermittelt, welche für die Nutzung der Kunstfigur als Forschungsinstrument relevant sind. Zur Entwicklung der Darstellenden Beobachtung werden performativ- praktische Experimente, in welchen eine Umsetzung ethnografischer Methoden durch eigene Kunstfiguren erfolgt, durchgeführt und ausgewertet. Innerhalb des Vorhabens wird auf den Ansatz des «embodied knowledge" von Julian Klein zurückgegriffen.

Forschungsschwerpunkte

Kunstfiguren, Identität, Teilnehmende Beobachtung, Intermedialität